Ein Tattoo in Form eines menschlichen Herzens – manche Ärztinnen oder Ärzte lassen sich Tattoos stechen, die eine Verbindung zu ihrem Beruf haben.
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Im vergangenen Jahr legten Forschende der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg fast 500 deutschen Versuchspersonen aller Altersstufen Fotos von männlichen und weiblichen Models vor, die unterschiedlich stark tätowiert waren – von gar nicht, über leicht, stark und extrem, also auch im Gesicht. Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: Je weniger die Models tätowiert waren, desto angenehmer wirkten sie auf die ProbandInnen.
Menschen unter 50 fanden Models mit Tattoos etwas attraktiver als Ältere. Komplett untätowierte Personen wurden jedoch durchweg als am schönsten empfunden, während diejenigen mit Motiven im Gesicht die schlechtesten Bewertungen bekamen. Probanden mit eigenen Tattoos neigten eher dazu, stark tätowierte Modelle besser zu bewerten. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass traditionelle Schönheitsideale nach wie vor vorherrschend sind.
Aber heißt das auch, dass ÄrztInnen mit Tattoos bei PatientInnen und Vorgesetzten schlecht ankommen? Schließlich geht es im Krankenhaus nicht um Attraktivität, sondern um Kompetenz und Vertrauen. Werden Tattoos bei MedizinerInnen als unseriös empfunden?
Auch dazu gab es schon einmal eine Untersuchung. Im Jahr 2018 legten US-amerikanische Forscher 920 PatientInnen in der Notaufnahme einen Fragebogen vor, den sie nach abgeschlossener Behandlung anonym ausfüllen konnten. Darin sollten sie die ÄrztInnen, mit denen sie zuvor zu tun hatten, im Hinblick auf Kompetenz, Zuverlässigkeit, Fürsorge oder Vertrauenswürdigkeit bewerten - einige dieser MedizinerInnen trugen sichtbare Tattoos, andere nicht. Nach der Auswertung zeigte sich: Ob MedizinerInnen tätowiert waren oder nicht beeinflusste die Bewertungen nicht. Für die PatientInnen aus der Notaufnahme spielten sie keine Rolle.
Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch kanadische Wissenschaftler, die 534 ProbandInnen Homepages von fiktiven Psychologinnen in drei verschiedenen Varianten zeigten: Eine der Therapeutinnen hatte kein Tattoo, eine ein dezentes, die Dritte großflächige Motive auf den Armen. Die Testpersonen sollten sich vorstellen, dass sie wegen seelischer Probleme Hilfe brauchten und im Internet nach einer Therapeutin suchten. Welche würden sie um einen Gesprächstermin bitten?
Es zeigte sich: Selbst die großen, auffälligen Tattoos waren für die ProbandInnen kein Grund, diese Psychologin abzulehnen. Der am stärksten tätowierten Psychologin trauten sie sogar ein besonderes Einfühlungsvermögen zu. Sie schätzen sie zudem interessanter, zuversichtlicher, engagierter und sympathischer ein - allerdings auch etwas weniger professionell als die nicht-tätowierte und die wenig tätowierte Psychologin. Die Testpersonen dieser Studie waren allerdings eher jung, im Durchschnitt 24 Jahre alt.
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Was PatientInnen betrifft, müssen MedizinerInnen mit Tattoos also eher weniger mit Ablehnung rechnen. Jüngere PatientInnen könnten sich mit ihnen sogar wohler fühlen. Doch was ist mit Vorgesetzten, vor allem, wenn es darum geht in Vorstellungsgesprächen einen guten Eindruck zu machen? Können Tattoos hier von Nachteil sein, vielleicht sogar der Karriere schaden?
Tattoos sagen genauso wenig etwas über die fachliche Qualifikation von MedizinerInnen aus wie Kleidung, Frisur, Körperform oder sonstige äußere Merkmale. Es kommt letztendlich sehr darauf an, wer die Person ist, die einem im Bewerbungsgespräch gegenübersitzt.
Gerade in der älteren Generation sind Tattoos noch oft mit Klischees behaftet, werden von manchen nach wie vor mit Kriminalität oder Drogenabhängigkeit assoziiert. Gerade Tattoos im Gesicht und am Hals gehen oft mit Stigmatisierungen wie Rebellion und Aggression einher. In konservativen Kreisen, eventuell auch in kirchlichen Krankenhäusern, könnten sie als unseriös empfunden werden.
Ein Gesetz, das ÄrztInnen Tattoos verbietet gibt es nicht. Allerdings haben Arbeitgeber ein sogenanntes Weisungsrecht. Hier dürfen sie auch Vorgaben zum äußeren Erscheinungsbild ihrer MitarbeiterInnen machen, sofern dies sachlich gerechtfertigt ist. Dies ist oft in kundenorientierten Berufen wie dem Bankwesen und der Hotellerie der Fall oder wenn Tattoos wegen anstößiger oder diskriminierender Motive gegen Unternehmenswerte verstoßen.
Auch die ÄrztInnen auf TikTok berichten, dass sie im Krankenhaus ganz unterschiedliche Erfahrungen hinsichtlich ihrer Tattoos machen. Ein deutscher Arzt sagt, dass er sich bewusst nur an Stellen stechen lässt, die sich mit Kleidung bedecken lassen, um vor allem auf Tagungen und bei Vorträgen für alle seriös zu wirken. Eine Kinderärztin erzählt, dass ihre Tattoos oft als „Icebreaker“ im Arbeitsalltag dienen. Die Kinder sprechen sie darauf an, sie erzählt, was die Motive bedeuten, worauf die kleinen PatientInnen bei der Untersuchung lockerer und zugänglicher würden.
Titelbild: iStock.com/LightFieldStudios
Amely Schneider
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