Mehr Personal für Krankenhäuser: Ein Gutachten sagt ein merkliches Wachstum voraus. Es wird jedoch nicht reichen, um den Fachkräftemangel zu beheben.
In zehn Jahren wird es mehr Personal an Krankenhäusern und Kliniken geben als heute. Das geht aus einem Gutachten vom Deutschen Krankenhausinstitut (DKI) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hervor. Demzufolge wächst die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland bis zum Jahr 2035 um 15.400 Personen im Vergleich zu 2020. Das entspricht einem Anstieg um 8 Prozent.
Die Zahl der Pflegekräfte wird dem Gutachten zufolge im gleichen Zeitraum ebenfalls deutlich steigen. Die Experten gehen von einem Zuwachs von 7 Prozent oder 32.100 Fachkräften aus. In der Kinderkrankenpflege soll die Steigerung bei 20 Prozent oder 9.100 Personen liegen.
Diese Zahlen stimmen zwar positiv. Das prognostizierte Wachstum fällt jedoch geringer aus als das in den vergangenen Jahren. Zudem reicht die anhaltende positive Entwicklung nicht aus, um den bestehenden Fachkräftemangel in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen auszugleichen, sagen die Experten.
In Krankenhäusern rund Kliniken fehlen bereits heute Hunderttausende Fachkräfte. Und die Lücke wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, weil die zahlenmäßig sehr große Babyboomer-Generation in Rente gehen wird. Hinzu kommt der anhaltend hohe Anteil an Fachkräften, die in Teilzeit arbeiten oder arbeiten möchten.
In den Jahren zwischen 2025 und 2030 wird dem Gutachten zufolge mehr Personal in Rente gehen als neue Fachkräfte nachkommen – Personal durch Zuwanderung wurde hier bereits eingerechnet. Nach dem Jahr 2030 wird die Lage etwas entspannter, sagen die Experten. Ab diesem Zeitpunkt gehen die Fachleute nochmals von einer gestiegenen Absolventenzahl aus.
„Selbst in optimistischen Szenarien werden wir den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen nicht mit immer mehr Personal ausgleichen können, weil es dieses Personal schlicht nicht geben wird. Einwanderung ist ebenfalls keine alleinige Lösung, da auch hier die Zahl nie ausreichen wird und gleichzeitig die typischen Herkunftsländer durch demografischen Wandel einen höheren Eigenbedarf haben werden,“ sagt Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzende der DKG.
Seine Lösungsvorschläge: mehr Digitalisierung, mehr ambulante Behandlungen und deutlich weniger Bürokratie. „Mehrere Stunden sind Ärztinnen und Ärzte wie Pflegekräfte täglich mit Schreibarbeiten beschäftigt, darunter doppelte Dokumentation oder Dokumentation, die weder medizinisch noch pflegerisch einen Nutzen hat. Könnten wir diese völlig aus den Fugen geratene Bürokratielast nur halbieren, hätten wir die Arbeitskraft mehrerer zehntausend Fachkräfte allein in der Pflege mehr zur Verfügung und den Fachkräftemangel mit einem Schlag gelöst,“ sagt Gaß.
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Sabine Stahl
Die erfahrene Journalistin und Medizin-Redakteurin arbeitet seit 2021 in der doctari-Redaktion und beschäftigt sich am liebsten mit Ratgeber- und Statistikthemen.